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Anspannung an der Moschee

Kölner Stadt-Anzeiger vom 7. Mai 2012

Bei einer Demonstration in Küppersteg versuchten Rechtsextreme am Samstag zu provozieren. Bei einer Gegendemo in Opladen meldete sich die Antifa zu Wort.

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Die Hundertschaft riegelte die Moschee ab. Der Einsatzleiter hatte den Abschnitt im Blick. (Bild: Britta Berg)

Küppersteg - Nesseln und Brombeergestrüpp flattern im Abgas des lautstarken Generators. Doch der der gibt seine Saft nur mit Unterbrechungen ab, obwohl er auf „on“ steht. 20 Kabelmeter weiter hat sich eine kleine Gruppe versammelt, die dem Problem des Generators nicht gewachsen scheint. Geschminkte Hausfrauen in Sandalen und schwarzen Socken, Rentner mit karierten Hüten und Strickjacken, schneidige Herrn in Anzug und klobigen Schuhen stehen an der Kreuzung Stadtautobahn und Karl-Ulitzka-Straße gegenüber der Küppersteger Mesxhidi-Aksa-Moschee – ein traurig blickender Hund ist auch dabei.

Das Stakkato der Rede, die Markus Beisicht, Leverkusener Ratsmitglied der rechtsextremen Splitterpartei Pro NRW und deren Vorsitzender, dort halten will, wird durch die Stromstörung zerstoppelt. Man kann ihn nicht verstehen. Wenig erschließen sich dem Betrachter die aus Fotos montierten Karikaturen, die das Völkchen an Stecken in die Höhe spießt. Angekündigt wurden sie als islamkritische Karikaturen, die in einem Wettbewerb mit dem rechtsextremen Kölner Politiker Jörg Uckermann in der Jury ausgewählt wurden. Ein Bild dagegen erschließt sich schnell. „Kirche heute“ steht unter der gemalten Karikatur eines Kirchenmannes mit rosa Mützchen, der in zweideutiger Pose vor dem Gekreuzigten kniet. Ein Titelbild des Satiremagazins Titanic, das 2010 für Aufsehen sorgte.

Empört ist ein älterer Mann mit Hut. Der Träger des Bilds wird der Gruppe verwiesen und steht abseits bei der Polizei. „Ich bin erstaunt. Wollen die nun für die Freiheit der Kunst streiten oder nicht?“, fragt der junge Mann mit Pferdeschwanz, der sich zur Antifaschistischen Aktion bekennt. Er denke über eine Klage nach. Der Generator knattert derweil gnadenlos. „Abschieben“ skandiert der vielleicht zwanzig Köpfe zählende Pulk hinter dem Rücken der Hundertschaft der Polizei. Die hält ein halbes Dutzend zorniger Salafisten auf der Verkehrsinsel in Schach.

Nachher wird Polizeisprecher Karlo Kreitz sagen, dass die Demonstration störungsfrei und von daher zufriedenstellend verlaufen sei. Man sei froh, dass die Lage nicht so eskaliert sei, wie wenige Stunden vorher in Bonn. Dort wurden bei den Krawallen zum Ende einer rechtspopulistischen Aktion der Partei Pro NRW einige Beamte schwer verletzt und mehrere Personen festgenommen, die Veranstaltung abgebrochen. Die Anspannung ist der Polizei in Küppersteg anzumerken, über Funk werden die neuesten Nachrichten aus Bonn weitergegeben.

Gegendemo in Opladen

Vor dem Pro-NRW-Büro in der Humboldtstraße stapeln sich Umzugskartons. Eine Spende der Antifaschistischen Aktion Leverkusen. (Bild: Britta Berg)
Vor dem Pro-NRW-Büro in der Humboldtstraße stapeln sich Umzugskartons. Eine Spende der Antifaschistischen Aktion Leverkusen. (Bild: Britta Berg)

Auf Pro-NRW-Leute wie auf Salafisten haben Polizisten in Schutzanzügen und ihre Kollegen von den Bezirksstreifen ein waches Augenmerk. Bei einer weiteren – ebenfalls angemeldeten Demonstration an der Humboldtstraße in Opladen stehen die Kollegen. Gut 70 Antifa-Leute versammeln sich dort vor dem Fraktionsbüro von Pro NRW. Friedlich geht es zu, Umzugskartons stellen die Demonstranten Markus Beisicht vor die Tür und ziehen anschließend vor seine Anwaltskanzlei in der Gartenstraße. Beisicht schimpft: Die Internetseite seiner Leute sei außer Gefecht gesetzt worden.