SOEST – Das „anständige Deutschland“ demonstriere in Soest, ruft Sascha Krolzig ins Mikrofon. Der Neonazi aus Hamm meint nicht die mehreren Hundert Demokraten, die an diesem Samstag in der Soester Innenstadt gegen den Auflauf seiner braunen Kameraden protestieren. Krolzig, Anmelder und Versammlungsleiter der gestrigen Neonazi-Demonstration in Soest, meint tatsächlich sein 140- bis 150-köpfiges Fußvolk, das mittags ganz überwiegend per Zug am Bahnhof der 50.000-Einwohner-Stadt eingetroffen ist.*
Es folgen zweieinhalb Lehrstunden dafür, was dieses neonazistische „anständige Deutschland“ zu sagen bzw. zu schreien hat: ein Loblied auf den Führer, Rassismus pur, die Forderung nach einem „Straßenkampf“, der bei offiziell angemeldeten Demonstrationen freilich nicht ganz praktisch umgesetzt, sondern nur verbal propagiert werden kann.